Wiedereinstieg Blog von Branka KramaricWiedereinstieg Blog

2. Februar 2011 // Ein Statement zur Diskussion über eine gesetzlich verordnete Frauenquote in den Führungsetagen der Unternehmen

Aktuell sorgt die Idee einer gesetzlich verordneten Frauenquote für die Führungsetagen der Unternehmen für eine hitzige Diskussion, die nicht nur die Politik beschäftigt. Die Befürworter begründen die niedrige Repräsentanz von Frauen in höheren Positionen mit deren Diskriminierung und hoffen diese durch eine solche Quote zu mildern. „Die Abwesenheit der Frauen in der deutschen Wirtschaft ist volkswirtschaftlich eine Katastrophe und betriebswirtschaftlich die Verschwendung einer wertvollen Ressource“, meint der Personalberater Heiner Thorborg von der Initiative `Generation CEO` in der Welt online. 

Umstritten bleibt vor allem, ob die Gleichstellung vom Staat aktiv durchgesetzt werden muss und zu welchem Ergebnis die Einführung eines solchen Gesetzes führen würde. Einerseits eröffnen sich dadurch sicher neue Wege für Frauen, andererseits wollen Frauen wegen ihrer Leistungen und nicht aufgrund einer gesetzlichen Bestimmung eingestellt werden. Und die Unternehmen argumentieren mit ihrer Wahlfreiheit, die in Bezug auf die Wahl ihrer Verwaltungsräte staatlich eingeschränkt würde. 

Mehrere aktuelle Studien belegen, dass Firmen, in denen Frauen führende Positionen einnehmen, mehr Gewinn erzielen. Gemischte Führungsgremien sind signifikant erfolgreicher. Die Studie „Deutschlands Chefinnen“ von Gabriele Stahl für Odgers Berndtson, hat zu Tage gebracht, dass die viel diskutierte Unvereinbarkeit von Familie und Berufsleben für die weiblichen Spitzenkräfte des Landes nicht der Haupt-Karrierekiller sind. Vielmehr ist es die Struktur und Kultur in den Unternehmen, die die Frauen bremsen – vor allem fest verankerte Vorurteile gegenüber weiblichen Führungskräften – die gläserne Decke.

Dabei können Frauen Führung sehr wohl: Im deutschen Mittelstand werden 4 von 10 Unternehmen von Frauen gegründet, so DIHK- Präsident Hans Heinrich Driftmann. Das heißt, 160 000 Firmen, die pro Jahr entstehen, haben eine Chefin – eine Steigerung von 30 auf 40Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Die meisten davon agieren erfolgreich im Markt.

Frauen haben größtenteils die besseren Abschlüsse als Männer, dennoch bleibt ihnen in den Unternehmen der Spitzenposten verwährt. Inwieweit Politik dies verändern kann, wird sehr kontrovers diskutiert. Die eine Seite strebt eine verbindliche Frauenquote in den Vorständen und Aufsichtsräten großer Unternehmen an, während die andere Seite eine Selbstverpflichtung der Unternehmen fordert.

Norwegen gilt als Vorreiter in der Einführung eines Gesetzes für die Frauenquote. Nach einem Beschluss von 2008 von Seiten der konservativen Regierung müssen 40% der Aufsichtsräte aller größeren börsennotierten Unternehmen von Frauen besetzt werden. Bei einem Verstoß drohen Geldbußen bis hin zu einer Zwangsschließung. „Die Quotenregelung ist in Norwegen ein Erfolg, und schafft positive Auswirkungen dadurch, dass viele Länder nach Norwegen schauen und ähnliche Regelungen einführen oder diskutieren“, so Irene Natividad, die Leiterin des globalen Summits für Frauen. Die Direktorin des Zentrums für Geschlechterstudien an der Universität Oslo, Jorunn Okland begründet den Erfolg darin, dass “weibliche Aufsichtsräte meist unabhängiger von Unternehmen und deren Besitzern seien, weil sie seltener aus dem Kreis der Familieneigentümer, Mitarbeiter, Anteilseigner oder Investoren des Unternehmens rekrutiert würden”. 

Auch andere Länder sind dem Beispiel von Norwegen gefolgt. Die Franzosen brachten im Januar ein Gesetz für eine Frauenquote in den Aufsichtsräten auf den Weg, weil dort derzeit nur 8% Frauen sitzen, in drei Jahren müssen 20% und in sechs Jahren 40% der Mandate an Frauen vergeben sein. Die neue Regierung in den Niederlanden fordert in Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern ab 2016 mindestens 30% weibliche Aufsichtsräte und Vorstände – in Belgien, Spanien und Großbritannien tut sich ähnliches.

Deutschland bildet im europäischen Vergleich ein Schlusslicht. In den Vorständen der 200 größten Unternehmen beträgt der Frauenanteil laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung 2,5% und der Frauenanteil in leitenden Positionen liegt bei 17% der Gesamtwirtschaft (in Norwegen sind es 42%). Die Telekom hat angekündigt bis 2015 eine Frauenquote von 30% in den Führungsetagen haben zu wollen, es wird erwartet, dass andere Unternehmen mitziehen. Ähnliche Absichtserklärungen sind nicht neu – und bisher nie eingehalten worden. Inwieweit der vielzitierte Fachkräftemangel hier etwas verändert? Wir hoffen es und werden die Diskussion interessiert weiterverfolgen.

Branka Kramaric am 2. Februar 2011 um 15:59 Uhr
 
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