Wiedereinstieg Blog von Branka KramaricWiedereinstieg Blog

17. Februar 2012 // Elterngeld und Wiedereinstieg

Als die Bundesregierung vor einigen Jahren das Elterngeld einführte, war das erklärte Ziel, Familien in der Zeit nach der Geburt eines Kindes ein höheres Einkommen zu sichern, Väter stärker an der Erziehung der Kinder zu beteiligen und den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern.

Die im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellte Studie “Elterngeld Monitor” behauptet, das Elterngeld funktioniert und diese Ziele würden erreicht. Familien hätten im 1. Lebensjahr des Kindes durch das Elterngeld rund 400 Euro monatlich mehr in der Tasche. Besonders profitieren konnten sowohl Familien, in denen die Frauen besonders hohe Bildungsabschlüsse hatten, als auch Mütter mit geringem Bildungsabschluss, heißt es in der Studie.

Das Elterngeld, das bis zu 14 Monate nach der Geburt an Mütter und Väter gezahlt wird, die mit der Arbeit aussetzen, orientiert sich am bisherigen Einkommen und beträgt 67 Prozent des Nettogehalts, höchstens aber 1800 Euro und mindestens 300 Euro im Monat.

Der Studie zufolge führt es dazu, dass zunächst mehr Mütter im ersten Lebensjahr im Beruf aussetzen. Die entsprechende Erwerbsquote sei um rund zwei Prozentpunkte gesunken. Damit werde das Ziel erfüllt, zunächst einen “Schonraum” zur Kinderbetreuung für junge Familien zu schaffen.

Im zweiten Jahr nach der Geburt des Kindes entfalte das Elterngeld dann Anreize zum Wiedereinstieg in den Beruf. Das gelte insbesondere für Mütter mit niedrigem Einkommen. “Die Wahrscheinlichkeit, dass Mütter, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrochen haben, wieder eine Erwerbstätigkeit aufnehmen, ist aufgrund des Elterngeldes signifikant gestiegen”, heißt es in der Studie.

Wenn Mütter mit Kleinstkindern mit niedrigem Einkommen zur Sicherung der eigenen Existenz ihren Beruf wieder aufnehmen, dann lässt sich das sicher nicht auf den “Anreiz” des Elterngelds zurückführen. Die Mütter, die zu uns in die Beratung kommen, möchten gern arbeiten. Sie möchten gern in der Lage sein, sich und ihre Familien zu ernähren. Immer häufiger sind sie allein oder gemeinsam mit dem Partner kaum in der Lage, ein angemessenes Gehalt zu erzielen. Allerdings haben sie kaum Chancen. Weder gibt es genügend Betreuungsplätze für Kleinstkinder – und wenn, dann sind gerade für Niedrigverdienerinnen die Kosten kaum zu stemmen – noch gibt es Arbeitsplätze für gut qualifizierte Frauen im Teilzeitbereich, die ein entsprechendes Auskommen sichern. Stattdessen machen sie die Erfahrung, dass sie in Minijobs und/ oder zu Niedriglöhnen arbeiten sollen, von denen sie nicht überleben können.

Ein Anreiz wäre sicher eine gute Infrastruktur mit verlässlicher und bezahlbarer Kinderbetreuung und eine Wirtschaft, die den Frauen die Chance bietet auch interessante und anspruchsvolle Tätigkeiten mit der Familie zu vereinbaren. Die Realität ist leider eine andere.

Branka Kramaric am 17. Februar 2012 um 13:57 Uhr
 
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