Wiedereinstieg Blog von Branka KramaricWiedereinstieg Blog

20. April 2012 // Längere Elternzeit von Vätern fördert den beruflichen Wiedereinstieg von Müttern

Männer und Frauen sind gleichberechtigt und teilen sich Beruf und familiäre Pflichten partnerschaftlich – bis das erste Kind kommt. Der Übergang zur Familie mit Kind bedeutet oft das Ende der ursprünglichen Planung: Männer werden zu Familienernährern und Frauen bleiben bei den Kindern zu Hause.

Väter und der Wiedereinstieg der Partnerin

Studie

Eine im Auftrag der „hessenstiftung – familie hat zukunft“ und des Bundesfamilienministeriums erstellte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der partnerschaftliche Lebensentwurf von Frauen und Männern umso leichter gelingt, je länger die Väter eine eigene Elternzeit in Anspruch nehmen. Hans Georg Nelles, Autor der Studie „Väter und der Wiedereinstieg der Partnerin“, stellte seine Ergebnisse in Wiesbaden einem Fachpublikum vor. „Väter sind bereit, Veränderungen im Familiensystem beim Wiedereinstieg der Partnerin mitzutragen und gegebenenfalls ihre eigene Arbeitszeit zu reduzieren. Allerdings muss diese Bereitschaft rechtzeitig abgerufen werden“, so Nelles. Wesentlich ist dabei die Bereitschaft der Partnerin, ihre Verantwortung für das Familieneinkommen zu übernehmen. Ein Wiedereinstieg „auf Probe“ mit geringer Stundenzahl wird nicht als Signal der Verantwortungsübernahme gewertet.
Befragt wurden drei Gruppen mit jeweils mindestens zwölf Vätern. Zum einen Väter ohne eigene Elternzeiterfahrung und mit einer Partnerin, die bereits in den Beruf zurückgekehrt ist, Väter mit zwei Monaten Elternzeiterfahrung und zum anderen Väter mit einer Elternzeiterfahrung von mehr als sechs Monaten sowie Väter, die schon über 38 Jahre alt waren oder die Elternzeit erst beim zweiten oder dritten Kind in Anspruch genommen haben. Bei den Vätern, die keine Elternzeit oder lediglich zwei Monate in Anspruch genommen haben, waren die Partnerinnen länger, häufig bis zu fünf Jahren in Elternzeit. In der Gruppe der Väter mit längeren Elternzeiten stand der Zeitpunkt des Wiedereinstiegs der Partnerin schon vor Beginn der Elternzeit fest. Unterstützt wurde die Rückkehr vom Partner durch eigene Elternzeit und zum Teil durch eine anschliessende Reduzierung der eigenen Arbeitszeit. Eine Reduzierung der eigenen Arbeitszeit um 25 Prozent für eine Dauer von drei bis sechs Monaten wurde von den Befragten als gut machbar eingeschätzt.
Aber auch bei der Aufgabenteilung in den Partnerschaften zeigten sich Unterschiede. Väter mit längeren Elternzeiten nahmen auch weiterhin mehr familiäre Aufgaben wahr. Je früher die Partnerin in den Beruf zurückkehrt, desto mehr Verantwortung übernehmen die Väter im häuslichen Bereich.

Fast alle Frauen möchten wieder in den Beruf zurück, sobald die Kinder größer sind. Allerdings liegt die Quote nur bei 13 Prozent. Dabei fehlt vielen Frauen insbesondere die Unterstützung des Partners. Je besser in der Familie die Aufteilung der Pflichten gelingt, desto leichter und erfolgreicher verläuft die Rückkehr in den Beruf. Die partnerschaftliche Aufgabenteilung hängt allerdings sehr stark von ausreichenden Angeboten der Kinderbetreuung und der Bereitschaft und Akzeptanz der Unternehmen ab. Familienorientierte Personalpolitik muss sich an Väter und Mütter gleichermaßen richten. Gleichzeitig ist die Politik gefragt, das immer noch nicht ausreichende Angebot von Kinderbetreuungsplätzen, vor allem für unter 3-Jährige auszubauen.
Das aktuell geplante Betreuungsgeld, vielfach auch als „Herdprämie“ bezeichnet, konterkariert dabei alle Bemühungen, den Weg in den Beruf zurück zu vereinfachen. Diese Maßnahme, um die Frauen „zurück an den Herd“ zu schicken, entspricht absolut nicht dem neuen Rollenbild von Männern und Frauen. Und auch die Unternehmen tun gut daran, die gut ausgebildeten Frauen angesichts des immensen Fachkräftemangels, zu halten.

Branka Kramaric am 20. April 2012 um 14:40 Uhr
 
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