Wiedereinstieg Blog von Branka KramaricWiedereinstieg Blog

3. Dezember 2010 // Mehr Väter in Elternzeit

Von drei auf mehr als zwanzig Prozent – das sieht nach einem enormen Zuwachs aus. Scheint die Rechnung der ehemaligen Familienministerin von der Leyen doch aufgegangen zu sein?

Seit der Neuregelung in 2007 verlängert sich der Elterngeldbezug von 12 auf 14 Monate, wenn auch die Väter mindestens für zwei Monate zu Hause bleiben und sich um ihre Kinder kümmern. Und der Staat lässt sich das was kosten, zwischen 300 und 1800 Euro gibt es dafür. Selbst Unternehmen scheinen sich allmählich mit der Regelung anzufreunden, dort steigt die Quote und auch die Akzeptanz. Ist doch alles prima, oder?

Die Zahlenwerte der Statistik verschleiern die tatsächliche Situation. Die meisten Väter in Elternzeit nehmen exakt die beiden Monate, aber keinen Tag länger. Und sie nehmen meist die Elternzeit parallel zur Elternzeit der Frauen. “Es ist toll einfach mal mehr von der Familie mitzubekommen. Zeit zu haben. Das habe ich bei unserem Ältesten vermisst”, sagt Tobias. Und seine Frau Nadine ergänzt: “Ich genieße die Zeit, die wir als Familie haben, es ist fast wie im Urlaub. Morgens zusammen frühstücken, nicht so unter Druck und ich kann auch mal das Eine oder Andere für mich machen, weil Tobi mich entlasten kann.” Aber den eigenen Wiedereinstieg hat sie zunächst zurückgestellt. Vielleicht so in einem Jahr, wenn die Betreuung gut funktioniert. Die Frau setzt wegen der Kinder aus und der Mann nimmt sich etwas Zeit, um seine Kinder intensiver zu erleben. So bleibt in vielen Familien die Zuständigkeit und Arbeitsteilung vielfach die gleiche. Bessere Chancen im Beruf bringt das für die Frauen nicht.

Und, auch da täuscht die Statistik, viele Männer arbeiten parallel weiter – eben mit reduzierter Arbeitszeit. Laut Gesetz dürfen Mütter und Väter bis zu 30 Stunden pro Woche in der Elternzeit arbeiten. Drei Tage im Büro und das verlängerte Wochenende für den Nachwuchs, das ist vielfach die Realität. Mehr als 60 Prozent der Väter sind zwischen 30 und 40 Jahre alt, das Alter in dem “Karriere gemacht wird”. Und wer da nicht dabei ist, der ist schnell die interessanten Projekte los. Die betriebliche Realität lässt in manchen Bereichen keine Auszeiten zu. “Wir können es uns nicht leisten, dem Kunden immer wieder neue Anprechpartner zuzuweisen oder jemanden in den Projekten neu einzuarbeiten. Unsere Personaldecke ist jetzt schon sehr dünn, da geht nichts mehr.” Und deswegen sitzt auch Tobias täglich an seinem Laptop und beantwortet E-Mails oder telefoniert.

Branka Kramaric am 3. Dezember 2010 um 14:16 Uhr
 
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