Wiedereinstieg Blog von Branka KramaricWiedereinstieg Blog

10. Oktober 2011 // Wiedereinstieg nach psychischer Erkrankung

Heute am 10.10. ist der internationale Tag der psychischen Gesundheit, seit 1992 ein Aktionstag der Weltgesundheitsorganisation WHO. Nach Schätzungen der WHO leiden weltweit etwas 450 Millionen Menschen an psychischen Beeinträchtigungen. Auch in Deutschland nimmt die Zahl der psychischen Erkrankungen in den letzten Jahren immer mehr zu. So hat aktuell die DAK festgestellt, dass wegen psychischer Erkrankungen viele Menschen immer häufiger und länger krank sind. Im Gegensatz zu Kurzzeiterkrankungen wie beispielsweise einer Erkältung führen psychische Krankheiten meist zu langen Ausfallzeiten von mehreren Wochen oder sogar Monaten.

Wer wegen Burn-Out, Depressionen oder einer psychischen Erkrankung eine Zeitlang aus dem Berufsleben aussteigen musste, hat es schwer. Nicht immer gibt es die Möglichkeit über eine langsame Wiedereingliederung in den früheren Beruf zurück zu kehren. Ein neuer Job bringt viele neue Anforderungen mit sich. Und wer gerade eine persönliche Krise hinter sich hat, kann nicht von jetzt auf gleich voll im Berufsleben stehen. Wenn die persönlichen Probleme noch nicht vollständig bearbeitet sind, droht das Scheitern schon beim Einstieg. Daher muss zunächst das eigene Selbstbewußtsein gestärkt werden.

Auch ist es nicht sinnvoll, das erstbeste Angebot anzunehmen. Vielmehr sollte genau geschaut werden, welche Faktoren im früheren Berufsleben möglicherweise die Krankheit begünstigt oder sogar verursacht haben. Wenn in der neuen Position die gleichen Bedingungen herrschen, ist ein Rückfall oder eine erneute Erkrankung vorprogrammiert. Hilfreich kann hier der Blick von außen sein. Leider ist nicht jeder Therapeut mit der Arbeitswelt vertraut, hier kann gemeinsam mit einem Karrierecoach analysiert werden, welche Tätigkeit bei welchem Unternehmen geeignet ist und der eigenen Leistungsfähigkeit und Vostellungen entspricht.

Auch wenn in manchen Unternehmen eine persönliche Krise als Schwäche ausgelegt wird, ist der offene Umgang mit der Erkrankung wünschenswert. Nicht nur sich selbst gegenüber, sondern auch dem neuen Arbeitgeber gegenüber. Das bedeutet natürlich nicht, alles im Detail offenzulegen, schon gar nicht den neuen Kollegen und Kolleginnen gegenüber. Aber der Hinweis auf eine krankheitsbedingte Auszeit ist sinnvoll. Angesichts der Zunahme der psychischen Erkrankungen im Unternehmen begreifen immer mehr Arbeitgeber, wie wichtig es ist, für einen gesunden Arbeitsplatz im Unternehmen zu sorgen. Und ein bereits krisenerfahrener Arbeitnehmer achtet besser auf die Balance in seinem Leben und ist weniger anfällig für Zusammenbrüche.

Die Kenntnis der eigenen Grenzen und die Fähigkeit, gut mit sich selbst umzugehen, ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für einen gelungenen Wiedereinstieg. Vor allem müssen die eigenen Fehler aus der Vergangenheit vermieden werden. Wer nicht Nein-Sagen kann, wird schnell wieder in einer Überlastung landen. Vor allem in der Anfangszeit ist die Unterstützung durch einen Coach sinnvoll. So kann der Wiedereinstieg als Chance für eine solide neue Karriere genutzt werden – und für ein Leben in Balance.

Branka Kramaric am 10. Oktober 2011 um 17:40 Uhr
 
Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

Man sollte immernoch unterscheiden, wo die Schwelle zwischen Coach und Psychologe sinnvoll zu setzen ist. Sicherlich ist ein Coach eher ein Motivator und auf einer psychologischen Schiene ein Unterstützer. Doch bei psychischen Einbrüchen ist es sinnvoll, einen Coach zu engagieren, der eine psychologisch fundierte Ausbildung hinter sich gebracht hat. Oder gar ein Coach-Team, bestehend aus beiden.

Hallo Herr De Leo,
da haben Sie absolut recht. Ich halte eine fundierte psychologische Ausbildung für einen Coach für unabdingbar. In meiner praktischen Arbeit mit psychisch beanspruchten Menschen hat sich Arbeitsteilung bewährt. Als Coach unterstütze ich den Wiedereinstieg in den Beruf oder die Neuorientierung und arbeite meist Hand in Hand mit dem Therapeuten oder Psychologen des Klienten oder der Klientin.
Herzliche Grüße
Branka Kramaric

Einen Kommentar schreiben